Österreichischer Konservatismus und Familien

Ich werde heute einmal etwas ernster und schreibe über ein allgemeines Thema, das mich beschäftigt. Ich weiß genau, dass ich mich in Rage schreiben werde und mich bremsen werden muss, und überlege ob ich diesen Post wirklich veröffentlichen soll, aber ich wünsche mir einfach, den ganzen intoleranten Menschen das Brett vor der Stirn abreißen zu können. Also los gehts…

 

Spätestens seit diesem Jahr 2015, nachdem der Song Contest in Wien statt gefunden hat, hat sich unsere Hauptstadt sehr offen (vor allem gegenüber Homosexuellen) gezeigt. Das ist jetzt unser neues Image und es steht uns richtig gut – leider ist es aber nicht ganz wahr.

 

Ja, natürlich verhält sich ein beträchtlicher Anteil unserer Bevölkerung wirklich so vorbildhaft und offen, vor allem in Wien legt man sehr großen Wert auf Gleichberechtigung (egal ob Mann oder Frau, hetero- oder homosexuell, Herkunft und Kultur). Zum einen weil sichs halt gerade so gehört und zum anderen vor allem weil es (glaube ich) den Meisten einfach egal ist mit wem ihr Nachbar, Arbeitskollege oder die Person, die jeden Morgen mit der selben U-Bahn fährt, zusammen ist und wen sie liebt.

Leider steht diesen Menschen noch immer die österreichische konservative Mehrheit gegenüber, die entweder einfach intolerant ist, oder eine Allergie gegen Anderssein entwickelt hat. Ich will jetzt niemanden Verurteilen – das ist einfach nicht meine Art – aber ich verstehe diese Einstellung nicht.

 

Für mich ist es unerklärlich, wie Menschen andere nur aufgrund von ihrer Sexualität be- und verurteilen und glauben jemanden zu kennen. Wer behauptet eigentlich, dass eine Beziehung zwischen Frauen und Männern ideal ist? Das hat sich wahrscheinlich irgendein Höhlenmensch mal ausgedacht, und nur weil es damals anatomisch nicht möglich war zu antworten, gab es keine Widerreden.

Und ja, natürlich können nur Männer und Frauen gemeinsam ein Kind zeugen, doch das heißt noch lange nicht, dass diese Menschen dann bessere Eltern sind. Viele behaupten auch, dass wenn homosexuelle Paare ein Kind adoptieren, dem Nachwuchs entweder eine weibliche oder männliche (kommt halt drauf an) Bezugsperson fehlt. Da bin ich einerseits nicht sicher, ob das wirklich nötig ist und andererseits, heißt es ja nicht, dass, wenn ein lesbisches Paar ein Kind adoptiert oder dank künstlicher Befruchtung bekommt, sofort KEINE Männer mehr in der Umgebung des Kindes sein können und es dann erst spätestens im Kindergarten mitbekommt, dass es auch solche Geschöpfe gibt.

 

Für mich sind alle Menschen gleich viel wert und dürfen tun und lassen (und vor allem lieben), was (wen) sie wollen. Und allen Menschen die der Meinung sind, dass eine Familie nur aus Vater, Mutter und Kind besteht empfehle ich einmal ein bisschen Bildung, Herz und vor allem die Fähigkeit die Augen zu öffnen!

Mehr als die Hälfte aller Ehen werden geschieden (die meiner Eltern unter anderem auch) und das ist nicht deswegen, weil die Menschen jetzt unfähiger sind eine Beziehung zu führen – nein das liegt ganz allein an der positiven Entwicklung der Frauen. Frauen sind zum Glück nicht mehr so abhängig von Männern (und meistens alleine noch besser dran 😉 ), können sich freie Entscheiden und müssen nicht alles über sich ergehen lassen.

Genauso gibt es Patchworkfamilien, die ich über alles bewundere, weil mir das einfach viel zu viele Menschen wären. Es gibt auch Frauen, die sich ein Kind wünschen aber keinen Mann haben/wollen und sich einfach künstlich befruchten lassen.

Der Mythos „Vater-Mutter-Kind“ existiert also schon lange nicht mehr, und falls die Behauptungen, dass andere Zusammensetzungen keine Familien sind, sind wir doch fast alle familienlos und der Begriff wird bald aussterben. Kurze Frage an alle Geschiedenen, Scheidungskinder, Alleinerzieher, Homosexuellen, Partner ohne Kindern, und alllllle anderen die dem Schema nicht entsprechen: Habt ihr eine Familie?

 

Also BITTE glaubt keinen Menschen, die euch versuchen einzureden, dass ihr keine Familie habt, weil eure Eltern geschieden sind (ja, ist mir passiert – danke konservatives Österreich) und lasst andere doch ihr Leben leben und mischt euch nicht ein. Egal ob sie jetzt Männer, Frauen oder Ziegen lieben – wenn wir das verurteilen und abwertend Betrachten, können wir das auch machen, wenn Menschen mit unterschiedlicher Haarfarbe heiraten wollen. Lächerlich? Ja ist es, genauso lächerlich wie homosexuelle Beziehungen nieder zu machen.

Ciao, eure Juvigra

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